Den ROI eines AI-Projekts berechnest du wie bei jeder Investition: Nutzen in Euro minus Kosten, geteilt durch die Kosten, dazu der Zeitpunkt, ab dem sich die Ausgabe zurückgezahlt hat. Schwierig wird es beim Nutzen. Viele AI-Piloten starten, ohne dass vorher jemand festgelegt hat, was Erfolg in Euro bedeutet. Nach ein paar Monaten fragt die Geschäftsführung nach Zahlen, niemand hat welche, und das Budget für die nächste Stufe fällt weg.
Wer ein AI-Projekt intern durchbringen will, braucht drei Zahlen: was es kostet, was es pro Monat bringt und nach wie vielen Wochen es sich amortisiert hat. „Das spart bestimmt Zeit“ überzeugt kein Controlling. Die Methode in diesem Beitrag nutzen wir im AI-Champions-Programm, um Use Cases zu bewerten. Sie besteht aus vier Schritten und kommt mit Taschenrechner oder einer einfachen Tabelle aus.
Unten findest du die vier Schritte, drei durchgerechnete Beispiele und die fünf Fehler, die wir bei ROI-Rechnungen am häufigsten sehen. Als Vorlage dient der kostenlose ROI-Rechner. Du gibst Zeitersparnis, Stundensatz, Personenzahl und Einführungsaufwand ein und bekommst Jahreswert und Break-Even.
Warum AI-ROI anders funktioniert als klassischer IT-ROI
Bei klassischer IT sind Kosten und Nutzen meist gut sichtbar. Ein neuer Server ersetzt einen alten, Wartungskosten fallen weg, die Lizenz steht auf der Rechnung. Bei AI hängt der Nutzen davon ab, wie gut und wie oft Menschen das Werkzeug einsetzen, und er verteilt sich auf viele kleine Zeitgewinne im Alltag. Deshalb sind die Effekte schwerer zu greifen, und an dieser Stelle scheitern die meisten Rechnungen.
AI-Projekte bringen Nutzen auf drei Ebenen, die sich unterschiedlich gut in Euro fassen lassen:
- Direkte Zeitersparnis: Mitarbeitende brauchen für wiederkehrende Aufgaben weniger Zeit. Das lässt sich messen und nachrechnen, deshalb beginnt jede ROI-Rechnung hier.
- Qualität: Weniger Fehler, einheitlichere Ergebnisse, bessere Entscheidungsgrundlagen. Das ist schwerer zu beziffern, aber spürbar. Ein Angebot mit sauberer Kalkulation und ohne Tippfehler hat bessere Chancen als eines, das am Freitagnachmittag hastig zusammengestellt wurde.
- Strategische Effekte: Schnellere Reaktion auf Anfragen, besseres Marktwissen, neue Angebote. Langfristig oft der größte Hebel, in einer Tabelle aber kaum seriös abzubilden.
Viele Rechnungen scheitern auf eine von zwei Arten. Entweder wird alles gleichzeitig in Euro umgerechnet, bis eine Zahl herauskommt, die niemand glaubt. Oder es wird gar nicht gerechnet, und das Projekt steht allein auf dem Bauchgefühl der Beteiligten.
Wir gehen pragmatisch vor. Rechne den ROI nur mit der direkten Zeitersparnis. Qualitätsgewinne schreibst du als zusätzlichen Nutzen ohne Euro-Betrag dazu, strategische Effekte erwähnst du als Ausblick. Trägt sich das Projekt schon über die gesparte Zeit, hast du ein Argument, das auch kritische Nachfragen übersteht. Alles Weitere kommt obendrauf.
Die 4-Schritte-Aufwand-Nutzen-Matrix
Die Aufwand-Nutzen-Matrix führt in vier Schritten vom heutigen Aufwand zum Break-Even: Ist-Aufwand messen, in Euro umrechnen, Kosten der Einführung schätzen, Amortisation berechnen. Jeder Schritt liefert eine Zahl, und am Ende steht ein Business Case, den du der Geschäftsführung vorlegen kannst. Im AI-Champions-Programm arbeitest du damit im Modul „Use Cases & ROI“.
Schritt 1: Ist-Aufwand messen
Bevor du rechnest, brauchst du den Ist-Zustand. Du musst wissen, wie viele Personen wie viele Stunden pro Woche mit der Aufgabe verbringen, die AI übernehmen oder beschleunigen soll. Das klingt einfach und ist es selten. Manche überschätzen, wie lange sie für eine Aufgabe brauchen. Andere unterschätzen es, weil sich die Arbeit in viele kleine Blöcke über den Tag verteilt.
In der Praxis haben sich drei Dinge bewährt:
- Zwei Wochen Zeiterfassung: Bitte die Beteiligten, zwei Wochen lang mitzuschreiben, wie viel Zeit sie für die Aufgabe brauchen. Eine einfache Tabelle oder ein Tool wie Toggl reicht dafür völlig, eine aufwendige Zeiterfassung braucht es nicht.
- Kurze Interviews: Sprich jeweils 15 Minuten mit drei bis fünf Leuten, die die Aufgabe regelmäßig erledigen. Frag nach der letzten Woche: wie oft sie die Aufgabe erledigt haben und wie lange es jeweils gedauert hat. Die allgemeine Frage, wie lange so etwas dauert, liefert nur Schätzungen.
- Vorsichtig rechnen: Nimm den niedrigeren Wert aus Zeiterfassung und Interviews und zieh noch einmal 20 Prozent ab. Diese Zahl kannst du gut verteidigen. Eine vorsichtige Prognose, die übertroffen wird, hilft dir beim nächsten Projekt mehr als eine optimistische, die enttäuscht.
Ergebnis von Schritt 1: X Personen verbringen Y Stunden pro Monat mit Aufgabe Z.
Schritt 2: In Euro umrechnen
Stunden überzeugen im Controlling niemanden, Euro schon. Dafür brauchst du den Vollkosten-Stundensatz. Er enthält neben dem Gehalt auch Sozialabgaben, Arbeitsplatz, IT und Verwaltung und liegt deshalb deutlich über dem Bruttolohn pro Stunde.
Die Faustformel, mit der auch unser ROI-Rechner arbeitet:
Vollkosten-Stundensatz = Brutto-Jahresgehalt × 1,5 ÷ 1.700 Jahresarbeitsstunden
Der Faktor 1,5 deckt Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Arbeitsplatzkosten und anteilige Gemeinkosten ab. Die 1.700 Stunden sind ein grober Wert für eine Vollzeitstelle nach Abzug von Urlaub, Feiertagen und Krankheitstagen. Wenn dein Controlling mit eigenen Sätzen rechnet, nimm die. Das erspart dir später die Diskussion über die Methode.
- Sachbearbeitung: 45.000 € × 1,5 ÷ 1.700 = rund 40 € pro Stunde
- Fachkraft: 60.000 € × 1,5 ÷ 1.700 = rund 53 € pro Stunde
- Führungskraft: 90.000 € × 1,5 ÷ 1.700 = rund 79 € pro Stunde
Diesen Satz multiplizierst du mit den Stunden aus Schritt 1, allerdings nur mit dem Teil, der tatsächlich wegfällt. Rechne nie mit 100 Prozent Ersparnis, denn ein Teil der Zeit bleibt für Kontrolle, Ausnahmen und Sonderfälle. Setz einen Anteil an, den du begründen kannst, am besten aus einem kurzen Test mit zwei, drei Leuten. In den Beispielen unten liegt er zwischen 40 und 83 Prozent, je nachdem, wie viel Handarbeit übrig bleibt. Außerdem nutzen anfangs nicht alle das Tool, mehr dazu bei Fehler 2.
Ergebnis von Schritt 2: der monatliche Brutto-Nutzen in Euro.
Schritt 3: Implementierungskosten schätzen
Die Kosten einer Einführung bestehen aus deutlich mehr als der Lizenz. Rechne mit vier Blöcken:
- Tool-Kosten (laufend): Lizenzgebühren pro Nutzer und Monat. Die großen Anbieter wie Microsoft, OpenAI, Anthropic und Google haben eigene Business-Tarife mit Datenschutz-Zusagen, und die Preise ändern sich regelmäßig. Hol dir für die Rechnung ein aktuelles Angebot oder schau auf die Preisseite des Anbieters.
- Einrichtung (einmalig): Konfiguration, Anbindung an bestehende Systeme, eventuell Datenübernahme. Rechne mit zwei bis fünf Tagen interner Arbeit, bewertet mit dem Stundensatz der Beteiligten.
- Schulung (einmalig): Workshops für alle, die das Tool nutzen sollen, typischerweise ein bis zwei halbe Tage pro Gruppe. Schulungszeit ist Arbeitszeit und gehört deshalb in die Kosten.
- Change-Management (einmalig): Kommunikation, Pilotphase, Umgang mit Bedenken. Dieser Posten wird am häufigsten vergessen, dabei hängt an ihm, ob das Tool überhaupt genutzt wird. Ohne Nutzung ist jeder ROI auf dem Papier wertlos. Plane dafür 10 bis 20 Prozent der einmaligen Kosten ein.
Ergebnis von Schritt 3: einmalige Kosten und laufende Kosten pro Monat.
Schritt 4: Break-Even und Payback berechnen
Jetzt fügst du die Zahlen zusammen. Zwei Formeln reichen:
Monatlicher Netto-Nutzen = Brutto-Nutzen (Schritt 2) minus laufende Kosten (Schritt 3)
Break-Even in Monaten = einmalige Kosten (Schritt 3) ÷ monatlicher Netto-Nutzen
Liegt der Break-Even unter drei Monaten, hast du einen Quick Win. Unter sechs Monaten ist es ein solider Business Case. Alles über zwölf Monate braucht zusätzliche Argumente, und dann kommen die Qualitäts- und Strategieeffekte aus dem ersten Abschnitt ins Spiel. Wer den klassischen ROI in Prozent braucht, rechnet für das erste Jahr: (Netto-Nutzen aus zwölf Monaten minus einmalige Kosten) ÷ einmalige Kosten × 100.
Ein typisches Szenario aus Gesprächen mit Geschäftsführungen: Solange ein Vorschlag „Wir sollten mal AI ausprobieren“ lautet, wird er vertagt. Heißt er „Dieser Use Case bringt rund 6.000 € im Monat, die Einführung dauert zwei Wochen“, geht es nur noch um den Starttermin.
3 Rechenbeispiele aus der Praxis
Die drei Beispiele sind typische Szenarien, wie sie uns im AI-Champions-Programm begegnen, mit gerundeten Annahmen. Übernimm die Rechenwege und setz deine eigenen Zahlen ein. Einen Monat rechnen wir der Einfachheit halber mit vier Wochen. Das macht die Ergebnisse eher etwas vorsichtiger.
Beispiel 1: E-Mail-Triage im Vertriebsteam
Ausgangslage: Ein Vertriebsteam mit zehn Personen. Jede verbringt im Schnitt 2,5 Stunden am Tag damit, E-Mails zu lesen, zu sortieren und zu beantworten. Die Zeiterfassung über zwei Wochen bestätigt das: 50 Stunden pro Person und Monat, 500 Stunden im Team. Geplant ist ein AI-Assistent im Mailprogramm, der Nachrichten sortiert, zusammenfasst und Antwortentwürfe vorschlägt.
- Schritt 1, Ist-Aufwand: 10 Personen × 50 Stunden = 500 Stunden pro Monat
- Schritt 2, Euro-Wert: Gehalt im Schnitt 60.000 €, Vollkosten-Stundensatz rund 53 €. Angenommene Zeitersparnis bei aktiver Nutzung 40 Prozent, also 200 Stunden. In den ersten Monaten arbeiten nicht alle mit dem Tool, deshalb rechnen wir mit 60 Prozent Nutzung: 120 Stunden. Brutto-Nutzen: 120 × 53 € = 6.360 € pro Monat
- Schritt 3, Kosten: Lizenzen für zehn Personen, angenommen 30 € pro Kopf, also 300 € pro Monat. Einrichtung durch die IT: 16 Stunden × 85 € = 1.360 €. Schulung, ein halber Tag für alle: 10 × 4 Stunden × 53 € = 2.120 €. Change-Management: 400 €. Einmalig zusammen 3.880 €, laufend 300 € pro Monat
- Schritt 4, Break-Even: Netto-Nutzen 6.360 € minus 300 € = 6.060 € pro Monat. Break-Even: 3.880 ÷ 6.060 = 0,64 Monate, also knapp drei Wochen
Das Projekt hat sich nach knapp drei Wochen bezahlt gemacht. Bleibt die Nutzung das ganze Jahr bei 60 Prozent, bringt es im ersten Jahr 12 × 6.060 € minus 3.880 € = 68.840 € netto. Steigt die Nutzung, wird es mehr. Im ROI-Rechner trägst du dafür 3 Stunden pro Person und Woche, 10 Personen und 53 € pro Stunde ein, dazu 3.880 € als externe Kosten bei null internen Stunden. Er zeigt einen Break-Even nach rund 2,4 Wochen, weil er die laufenden Lizenzkosten nicht abzieht. Diese Differenz solltest du im Kopf behalten, wenn du beide Zahlen nebeneinander zeigst.
Beispiel 2: Automatisierte Meeting-Protokolle
Ausgangslage: Fünf Führungskräfte mit je rund zwölf Meetings pro Woche. Jedes Meeting braucht 30 Minuten Nachbereitung für Protokoll und Aufgabenverteilung. Mit einem AI-Meeting-Assistenten, der aufzeichnet, zusammenfasst und Aufgaben vorschlägt, bleiben fünf Minuten zum Prüfen und Verschicken.
- Schritt 1, Ist-Aufwand: 5 × 12 Meetings × 0,5 Stunden = 30 Stunden pro Woche, also 120 Stunden pro Monat
- Schritt 2, Euro-Wert: Gehalt 90.000 €, Vollkosten-Stundensatz rund 79 €. Ersparnis 25 von 30 Minuten pro Meeting, das sind 83 Prozent oder 100 Stunden pro Monat. Brutto-Nutzen: 100 × 79 € = 7.900 € pro Monat
- Schritt 3, Kosten: Business-Tarif eines Meeting-Assistenten für fünf Personen, angenommen 200 € pro Monat. Einrichtung: 8 Stunden × 85 € = 680 €. Schulung, eine Stunde pro Person: 5 × 79 € = 395 €. Einmalig zusammen 1.075 €, laufend 200 € pro Monat
- Schritt 4, Break-Even: Netto-Nutzen 7.900 € minus 200 € = 7.700 € pro Monat. Break-Even: 1.075 ÷ 7.700 = 0,14 Monate, rund drei Arbeitstage
Das ist der schnellste Break-Even der drei Beispiele, das Projekt rechnet sich in der ersten Woche. Danach bringt es 7.700 € netto im Monat, und jede Führungskraft bekommt rund 20 Stunden pro Monat zurück. Zwei Punkte gehören trotzdem in die Planung. Alle Teilnehmenden müssen der Aufzeichnung zustimmen, und für Gespräche mit Personaldaten oder vertraulichen Themen braucht es klare Regeln. Wie du so einen Ablauf samt CRM-Anbindung baust, zeigt der Beitrag AI-Automation ohne Code mit n8n.
Ein typisches Szenario nach der Einführung: Als größten Gewinn nennen Führungskräfte nach ein paar Wochen oft die Dokumentation. Jede Entscheidung ist nachlesbar, und Diskussionen darüber, was eigentlich vereinbart war, werden seltener. In der Euro-Rechnung taucht das nicht auf. Auf die Liste der qualitativen Vorteile gehört es trotzdem.
Beispiel 3: AI-gestützte Content-Erstellung
Ausgangslage: Eine Marketing-Verantwortliche erstellt allein alle Inhalte: LinkedIn-Posts, Newsletter, Blogartikel, Produkttexte. Das kostet sie 16 Stunden pro Woche, also zwei volle Arbeitstage. Für Sonderformate wie Whitepaper und Fallstudien bezahlt das Unternehmen zusätzlich eine Agentur mit 3.500 € im Monat.
- Schritt 1, Ist-Aufwand: 16 Stunden × 4 Wochen = 64 Stunden pro Monat intern, dazu 3.500 € pro Monat extern
- Schritt 2, Euro-Wert: Gehalt 55.000 €, Vollkosten-Stundensatz rund 49 €. Mit AI-Unterstützung spart sie angenommen 60 Prozent der Zeit, also 38 Stunden pro Monat, rechnerisch 38 × 49 € = 1.862 €. Diese Zeit steckt sie in die Sonderformate, die bisher die Agentur geschrieben hat. Das Agenturbudget sinkt dadurch von 3.500 € auf 1.500 €. Wir rechnen nur mit dieser Ersparnis: 2.000 € pro Monat
- Schritt 3, Kosten: Team-Tarif eines Sprachmodells und ein Design-Tool, angenommen 80 € pro Monat. Brand-Voice-Leitfaden und Prompt-Sammlung erstellen: 12 Stunden × 49 € = 588 €. Schulung, zwei halbe Tage: 8 Stunden × 49 € = 392 €. Einmalig zusammen 980 €, laufend 80 € pro Monat
- Schritt 4, Break-Even: Netto-Nutzen 2.000 € minus 80 € = 1.920 € pro Monat. Break-Even: 980 ÷ 1.920 = 0,51 Monate, gut zwei Wochen
Zeitersparnis und Agenturersparnis darfst du hier nicht addieren. Die 38 Stunden fließen in die Sonderformate, sonst würde dieselbe Zeit zweimal gezählt. Dieser Fehler steckt in vielen Business Cases und fällt spätestens im Controlling auf. Im ersten Jahr bringt das Projekt 12 × 1.920 € minus 980 € = 22.060 € netto. Dazu kommt ein Effekt, der in keiner Zeile steht: Die Verantwortliche nutzt AI als Sparringspartner für Ideen und hat mehr Zeit für Strategie und Feinschliff.
Die häufigsten Fehler bei der AI-ROI-Berechnung
Die fünf häufigsten Fehler bei der AI-ROI-Berechnung sind: nur direkte Kosten betrachten, eine zu hohe Nutzungsquote annehmen, qualitative Vorteile ignorieren, Skalierung unterschätzen und nach der Einführung nicht nachmessen. Wir sehen sie immer wieder, wenn wir im AI-Champions-Programm Use Cases mit Teilnehmenden durchrechnen.
Fehler 1: Nur direkte Kosten betrachten
Die typische Überlegung lautet: Das Tool kostet 30 € pro Nutzer im Monat, und die Frage ist, ob sich das lohnt. Dabei fehlen die Opportunitätskosten, also der Wert dessen, was in der gebundenen Zeit liegen bleibt. Wer im Vertrieb eine Stunde am Tag E-Mails sortiert, führt in dieser Stunde kein Verkaufsgespräch. Angenommen, eine Vertriebsperson macht 50.000 € Umsatz im Monat bei 160 Arbeitsstunden. Rechnerisch steht jede Stunde dann für gut 310 € Umsatz, fast sechsmal so viel wie die rund 53 € Personalkosten.
Umsatz ist allerdings kein Gewinn, und nicht jede freie Stunde wird zu einem zusätzlichen Gespräch. Rechne deshalb zuerst mit dem Vollkosten-Stundensatz, das ist vorsichtig genug. Die Opportunitätskosten kannst du als zusätzliches Szenario zeigen, dann aber mit dem Deckungsbeitrag und nur für einen Teil der gewonnenen Stunden.
Fehler 2: Zu optimistische Adoption-Rate
Die Adoption-Rate ist der Anteil der Leute, die ein Tool tatsächlich nutzen. Eine vorhandene Lizenz heißt noch lange nicht, dass jemand damit arbeitet. Wir planen für die ersten drei Monate mit 60 Prozent Nutzung. Bei zehn Personen arbeiten also sechs aktiv mit dem Tool, die übrigen vier brauchen mehr Zeit, mehr Unterstützung oder sind noch skeptisch. In Beispiel 1 siehst du, wie sich das auf die Rechnung auswirkt.
Nach sechs Monaten kannst du mit einer höheren Quote planen, wenn Schulung und Begleitung stimmen. Hundert Prozent solltest du nie versprechen. Das tritt so gut wie nie ein und kostet dich Glaubwürdigkeit, sobald du nachmisst.
Fehler 3: Qualitative Benefits ignorieren
Der umgekehrte Fehler ist, nur zu zählen, was sich in Euro ausdrücken lässt. Qualitative Vorteile entscheiden aber oft darüber, ob ein Tool langfristig akzeptiert wird:
- Zufriedenheit: Wenn AI stumpfe, wiederkehrende Aufgaben übernimmt, bleibt mehr Zeit für die Arbeit, wegen der jemand den Job gewählt hat. Das stärkt die Bindung, und jede Kündigung, die ausbleibt, spart Such- und Einarbeitungskosten.
- Weniger Fehler: Ein AI-gestützter Prozess mit menschlicher Kontrolle macht bei Routinearbeiten oft weniger Fehler als reine Handarbeit. Jeder vermiedene Fehler spart Korrekturen und Reklamationen.
- Schnellere Entscheidungen: Wer das Protokoll eines Meetings in Sekunden findet, muss vor einer Entscheidung nicht erst zehn Minuten in alten Mails suchen.
Führ qualitative Vorteile getrennt auf. In die Euro-Rechnung gehören sie nicht, auf die zweite Folie deiner Präsentation für die Geschäftsführung sehr wohl.
Fehler 4: Skalierungseffekte unterschätzen
Die meisten Rechnungen betrachten nur den ersten Use Case. Der größere Hebel liegt oft in der Skalierung. Wenn die E-Mail-Triage im Vertrieb läuft, lässt sich dasselbe Vorgehen mit überschaubarem Aufwand auf Kundenservice, Buchhaltung oder Personalabteilung übertragen. Der zweite und dritte Use Case kostet weniger als der erste, weil Wissen, Verträge und Infrastruktur schon da sind.
Rechne den ersten Use Case trotzdem für sich. Er ist dein Türöffner und muss allein überzeugen. Skizzier in der Präsentation aber ein Skalierungsszenario, zum Beispiel so: „Angenommen, wir übertragen das auf drei weitere Abteilungen und brauchen dafür jeweils ein Drittel des ursprünglichen Einführungsaufwands. Dann vervielfacht sich der Nutzen bei deutlich geringeren Zusatzkosten.“
Fehler 5: Keine Nachkontrolle
Ein Business Case ist nur so viel wert wie seine Überprüfung. Miss den tatsächlichen Nutzen nach drei und nach sechs Monaten mit derselben Methode wie am Anfang: kurze Zeiterfassung, ein paar Interviews, Nutzungszahlen aus dem Admin-Bereich des Tools. Leg das neben deine Prognose. Liegst du darüber, hast du Rückenwind für das nächste Projekt. Liegst du darunter, weißt du, wo du nachsteuern musst, meistens bei Schulung und Nutzung.
Ein typisches Szenario: Ein Team rechnet vorsichtig und misst nach drei Monaten nach. Weil die Nutzung schneller gestiegen ist als angenommen, liegt der Nutzen über der Prognose. Mit diesen Zahlen fällt es der Geschäftsführung leicht, die nächsten Use Cases freizugeben.
Vom Business Case zur Umsetzung: das AI-Champions-Framework
Im AI-Champions-Programm ist diese Methode Teil des Moduls „Use Cases & ROI“ mit 20 Lektionen. Dort sammelst du Einsatzideen systematisch, bewertest Aufwand und Nutzen, berechnest den ROI und entscheidest, welche Projekte du zuerst angehst.
Das Vorgehen hat drei Stufen. Zuerst sammelst du Use Cases aus deinem Bereich, Abteilung für Abteilung und Prozess für Prozess. Dann bewertest du jeden Kandidaten mit der Aufwand-Nutzen-Matrix, für die Rechnung kannst du den kostenlosen ROI-Rechner nutzen. Am Ende steht dein ROI-Portfolio mit drei bis fünf Use Cases, bewertet und priorisiert.
Der ROI-Rechner ist bewusst einfach gehalten. So deckt er die Schritte der Methode ab:
- Stundensatz: Du trägst den Vollkostensatz ein, die Faustformel steht direkt am Feld.
- Zeitersparnis: Stunden pro Person und Woche sowie die Zahl der Personen, die das Tool aktiv nutzen. Die Nutzungsquote aus Fehler 2 rechnest du hier ein.
- Einmalige Kosten: interne Stunden für die Einführung und externe Kosten wie Beratung oder Einrichtungsgebühren.
- Ausgabe: Wert pro Woche, Jahreswert, Implementierungskosten, Netto-Gewinn im ersten Jahr und der Break-Even in Wochen.
- Was du selbst ergänzt: laufende Lizenzkosten, die du vom Jahreswert abziehst, und ein vorsichtiges und ein optimistisches Szenario. Dafür füllst du den Rechner einfach zweimal mit unterschiedlichen Werten.
In den Modulen zu Automation und Umsetzung setzt du die ersten Use Cases anschließend um. Im Modul „Deine AI-Roadmap“ bringst du sie in einen Plan für die nächsten zwölf Monate, den du intern vorstellen kannst.
Dein nächster Schritt
Such dir einen Use Case, bei dem sich die Zeitersparnis leicht messen lässt, zum Beispiel E-Mail-Triage oder Meeting-Protokolle. Erfass zwei Wochen lang den Ist-Aufwand, rechne ihn mit dem ROI-Rechner durch und stell das Ergebnis mit vorsichtigen Annahmen vor. Mit dieser einen belastbaren Rechnung hast du mehr in der Hand als mit jeder langen Ideenliste.
Wenn du dabei Begleitung willst: Im AI-Champions-Programm lernst du, wie AI funktioniert, findest und bewertest Use Cases und baust eine 12-Monats-Roadmap mit ROI-Bewertung. Für Teams gibt es AIC Corporate mit gemeinsamen Terminen und einer gemeinsamen Roadmap. Wo dein Bereich heute steht, zeigt dir der kostenlose AI-Readiness-Check. Fragen zu deinem Business Case kannst du jeden Mittwoch um 15 Uhr in der offenen Sprechstunde stellen.


